Der Sprung in den Rhein » 14.09.1988

Bundesumweltminister Klaus Töpfer steht in Badekappe, Schwimmanzug und Flossen auf einem Polizeiboot im Rhein bei Mainz. Platsch! Drin ist er in Deutschlands mächtigem Strom. Das Wasser ist kalt, die Strömung ist stark. Der Professor, ein starker Raucher, zieht unbeeindruckt seine Bahnen.

Er habe zeigen wollen, dass der Rhein wieder sauber und intakt sei, berichten die Journalisten.

Verwunderlich, denkt der Tagesschau-Gucker am Abend. Hatte nicht das Branddesaster bei Basel (Firma Sandoz) erst vor 18 Monaten die Lebensgeister des Flusses nahezu ausgelöscht? Warnte die EG nicht immer wieder vor Kolibakterien?

Später zerstörte Töpfer selbst die Legende um die heldenhafte Aktion: "Entgegen der landläufigen Meinung, dass ich mit diesem kühnen Bademanöver die wiedergewonnene Wasserqualität des Rheins beweisen wollte, war dieser Sprung das Ergebnis einer Wette." a_080629_Rhein_im_21_Jh

Und das war so gekommen: Sein SPD-Kontrahent im rheinland-pfälzischen Landtagswahlkampf hatte den Menschen abgeraten, den CDU-Mann Töpfer zu wählen, weil dieser ja ohnehin bald das Land verlassen und in Bonn Umweltminister werden würde. Töpfer wette(r)te dagegen: Falls diese völlig unwahrscheinliche Situation eintrete, schwämme er durch den Rhein!

Wäre Töpfer nicht am 7. Mai 1987 zum 2. deutschen Bundesumweltminister ernannt worden, hätte er übrigens ein Fuder Wein, also mehr als 1.200 Flaschen Wein Wetteinsatz gewonnen. (LLa)
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Der Rhein - noch in den 1980er Jahren eine Chemie-Kloake (hier bei Koblenz mit Einmündung der Mosel am Deutschen Eck). Allein der Chemiekonzern Hoechst leitete 1980 täglich bis zu 75 Tonnen Säuren sowie 400-500 Tonnen Salze (über den Main) in den Fluss. Dazu kamen weitere Einspeisungen von BASF, Bayer und vielen anderen. (Mengenangaben aus Günter Haaf: Rettet die Natur!, Gütersloh 1981.)

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