Das Gold der WĂĽste ist der Tod des Meeres


"Amoco Cadiz" zerbricht vor Bretagne » 16.03.1978

Vor der Bretagne havariert der unter liberianischer Flagge laufende Tanker "Amoco Cadiz" der amerikanischen Ă–lgesellschaft Amoco International. Er gibt 223.000 t Rohöl ab* und verursacht laut Medienberichten im Jahr 1978 einen Umweltschaden von 250 Mio. Mark (127,8 Mio. EURO). Dazu kommen langjährige EinkommenseinbuĂźen fĂĽr Fischerei und Tourismus. Vier Monate lang reinigen 35.000 französische Soldaten und 6.000 Freiwillige bis zu 360 km KĂĽstenlinie in Nordwestfrankreich. Die französische Regierung klagt auf 300 Mio. Dollar Schadenersatz, ein BĂĽndnis von Gemeinden, Unternehmern und UmweltschĂĽtzer aus der Bretagne sogar auf 500 Mio. Dollar. Der von einem US-Bundesgericht zugesprochene Schadenersatz belief sich später auf 85,2 Mio. Dollar*.  (LLa)

* Deutscher Bundestag: Drucksache 13/661 vom 01.03.1995. Zu den Kosten einer Ölkatastrophe wird hier unter anderem ausgeführt: "Aufgrund durchgeführter Untersuchungen werden bei einer durchschnittlichen Bewertung pro Tonne ausgelaufenen Öls die [Reinigungs-]Kosten auf etwa 10 000 DM [5.113 €] geschätzt."

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Havarie der “Exxon Valdez” in Sibirien » 24.03.1989

1.100 Kilometer lang ist die KĂĽste, die der leckgeschlagene Tanker “Exxon Valdez” im SĂĽden Alaskas verseucht. Das entspricht immerhin einer Strecke von Hamburg bis Mailand. Das Schiff misst ungeheure 335 Meter und spuckt mehr als 40.000 tödliche Tonnen Ă–l ins Meer. Geschätzte 2,6 Millionen Vögel verenden, auĂźerdem ungezählte Seehunde, Seelöwen und Wale. Ist der Konzern, dem die Marken Esso und Mobil gehören, nun am Boden? Image bezogen ja. Wirtschaftlich keinesfalls. Der Konzern ist mit 500 Mio. Dollar gegen Schadensersatzforderungen versichert. Am Ende bĂĽĂźt er lediglich 0,53 % seines Vorjahresgewinns von 5,3 Milliarden Dollar ein. (LLa)

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Öltanker "Erika" sinkt in der Biskaya » 12.12.1999

Nach einem Sturm bricht der 180 m lange Tanker "Erika" mit 20.000 t Schweröl im Rumpf auseinander und sinkt. Im Golf von Biskaya breitet sich ein Ölteppich aus, der auf einer 400-500 km langen Küstenlinie 150.000 Seevögeln den Tod bringt (manche Berichte sprechen von 300.000 Vögeln).

Der Ölkonzern Total wird in einem langjährigen Gerichtsverfahren beschuldigt, mit der in Malta registrierten "Erika" ein rostiges einwandiges Schrottschiff gechartert zu haben. Total und das Schiffsregister Rina müssen je 375.000 Euro Geldstrafe zahlen, der italienische Reeder Guiseppe Savaresi und der Eigner Antonio Pollara je 75.000 Euro. Erstmals erkannte die französische Justiz einen rechtsrelevanten "Umweltschaden" an, wenngleich Total von den Schadensersatzforderungen von rund 200,6 Mio. Euro im März 2010 freigesprochen wurde. (LLa; Quellen: AFP und andere Agenturen)

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Ölteppich an der libanesischen Küste » 15.07.2006

Die israelische Luftwaffe zerstört am 15. Juli 2006 Öllagertanks, die in unmittelbarer Nähe des Elektrizitätskraftwerks Dschije (Libanon) liegen. Dabei bildet sich ein die gesamte libanesische Küste bedeckender und sich darüber hinaus erstreckender Ölteppich. In der Resolution 61/194 vom 20.12.2006 fordert die Generalversammlung der Vereinten Nationen Israel auf, "die Verantwortung dafür zu übernehmen, die Regierung Libanons für die Kosten der Beseitigung der durch die Zerstörung verursachten Umweltschäden, einschließlich der Wiederherstellung der Meeresumwelt, rasch und angemessen zu entschädigen". Darüber hinaus ermutigt sie die Mitgliedsstaaten, regionale und internationale Organisationen und Finanzinstitutionen, NGOs und "den Privatsektor", der Regierung Libanons zu helfen, um die verschmutzten Küsten- und Meeresabschnitte zu reinigen und so das Ökosystem des Landes zu erhalten. (LLa)

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Öl-Katastrophe in Italien: Altöl im Po-Zufluss Lambro » 24.02.2010

In Italien sind bei der Stadt Monza, nördlich von Mailand, Tausende von Kubikmetern Altöl in den Po-Zufluss Lambro geleitet worden. Der massive Akt mutwilliger Umweltzerstörung könnte nach Einschätzung der Umweltschutzorganisation WWF der Todesstoss für den ohnehin bereits durch Nährstoffeinträge und Abwässer stark in Mitleidenschaft gezogenen Lambro sein. Der WWF rechnet außerdem mit verheerenden Auswirkungen auf den nahegelegenen Naturpark Parco della Valle del Lambro und auf das gesamte Po-Ökosystem. "Wasservögel und Fische sind die ersten, die unter dieser Katastrophe zu leiden haben", warnt Martin Geiger, Leiter Bereich Süßwasser beim WWF Deutschland. Doch auch die Landwirtschaft und die Bewohner der Region dürften mit den Folgen zu kämpfen haben. Bereits jetzt habe das Altöl eine gefährliche Kettenreaktion in Gang gesetzt, etwa da wegen der Verschmutzung die Kläranlagen der Region ausgefallen sind und die Abwässer nun ungefiltert in den Fluss geleitet werden.

Der WWF fordert neben sofortiger HilfsmaĂźnahmen, um das Ă–l zu beseitigen, auch strengere Umweltschutzauflagen fĂĽr Industriebetriebe. AuĂźerdem mĂĽsse der Lambro durch AusgleichsmaĂźnahmen endlich wieder in ein gesundes, sich selbst reinigendes Ă–kosystem zurĂĽckgewandelt werden.

Die Westdeutsche Allgemeine Zeitung urteilt:

Öl, das von Tankschiffen ins Meer abgelassen wird, damit hatte Italien schon des öfteren zu tun. Doch dass tonnenweise Öl offenbar von Kriminellen in einen Fluss abgeleitet worden ist, wie jetzt in der Nähe des norditalienischen Monza, das gab es noch nie. Die ersten Hilfsmaßnahmen zur Verringerung einer noch größeren Umweltkatastrophe spiegeln Ohnmacht wider. Trotz des verzweifelten Engagements der Helfer hat die Strömung die schwarze Öl-Welle vom Fluss Lambro schon in den Po weitergespült. Der finanzielle Schaden dürfte mehrere Millionen Euro betragen, das Ökosystem leidet, langfristig ist die Landwirtschaft und damit die Existenz vieler Menschen bedroht. Wer kann so etwas gewollt haben? Die Hintergründe sind rätselhaft. Doch zweifellos gibt es viele Mitschuldige. Umweltpolitik wird in Italien seit Jahren in die Ecke gedrängt und die Regierung Berlusconi behandelt sie besonders stiefmütterlich. Das Öko-Bewusstsein wird kaum gefördert. Die Ölpest ist noch nicht einmal ein großes Thema in den italienischen Medien. Vielleicht liegt das daran, dass der in Schönfärberei spezialisierte Regierungschef die schwarzen Seiten Italiens lieber unterschlägt. (ots)

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