Ikea und der Billy-Skandal » Herbst 1992

Der Problemstoff Formaldehyd brachte Ikea im Herbst 1992 in die Negativschlagzeilen. Die Illustrierte Stern ließ ausgerechnet einen der Verkaufsschlager des Möbelhauses, das Regal "Billy", auf den Zusatzstoff untersuchen und berichtete über das Unter- suchungsergebnis unter der Headline »Krank durch Billy«. Der allergieauslösende und krebsverdächtige Stoff überschritt in acht von 18 Regalbrettern den Grenzwert um bis zu  das Vierfache (insbesondere weiße Regale waren betroffen). Ikea nahm die Ware aus dem Verkauf und räumte den Kunden ein Rückgaberecht ein.

Heute (Stand: 07.12.2009) informiert Ikea auf seiner Webseite: "Ikea Produkte müssen für Gesundheit und Umwelt unbedenklich sein. Grundsätzlich möchten wir auf Chemikalien und Substanzen, die für Mensch und Umwelt schädlich sein können, ganz verzichten und - wenn möglich - bessere Alternativen einsetzen. [...] Hier einige Beispiele: Seit 1991 hat IKEA ein freiwilliges Verbot von PVC (mit Ausnahme von Kabeln) beschlossen. Der Einsatz von bromierten Flammschutzmitteln in Möbeln ist seit 2000 verboten und seit 1993 dürfen Farben und Lacke kein Formaldehyd enthalten."

Petra Eisele, Professorin für Designgeschichte, Designtheorie und Medientheorie, fasst den Skandal wie folgt zusammen: "Was in den späten 1970er- und vor allem in den 1980er-Jahren den Nerv der Zeit traf, geriet in den 1990er-Jahren jedoch in eine tiefe Krise. Nun hatte sich das ökologische Bewusstsein tatsächlich so stark durchgesetzt, dass das Material des Regals zu seinem Verhängnis wurde. 1992 musste "Billy" vorübergehend aus dem Ikea-Sortiment genommen werden, da es Formaldehyd ausdünstete - nun war es als „tödliches Bücherregal“ verschrien. Erst ein Brief des Ex-Bundeskanzlers Helmut Schmidt an die Geschäftsleitung ebnete angeblich den Weg für die Resozialisierung der Giftschleuder, die dann vom Vorwurf der Gesundheitsschädigung befreit wieder in die Regale zurückkehrte. „Danke Helmut“, plakatierte IKEA kurz darauf, und so schafften es die Marketingstrategen, aus dem Skandal um ein Pressspanregal ein Möbelstück mit Geschichte werden zu lassen." (Petra Eisele, Do-it-yourself-Design: Die Ikea-Regale Ivar und Billy, in: Zeithistorische Forschungen/Studies in Contemporary History, Online-Ausgabe, 3 (2006) H. 3,
www.zeithistorische-forschungen.de)  (LLa)

<< zurück

archaeologie-online_468x60_2