Die Chemiefabrik Chisso und die "Minamata-Krankheit" » 1950-63

Auf der japanischen Insel Kinshu kippen Anfang der 1950er Jahre Katzen zitternd von den Kaimauern ins Meer und ertrinken. Diagnose: Schädigung des zentralen Nervensystems durch eine Quecksilber-Methyl-Verbindung. Ab 1953 werden erste Vergiftungen bei Inselbewohnern attestiert. In der Folge sterben 150 Menschen, mehr als 1.000 werden nach der offiziellen Statistik geschädigt, rund 4.000 fordern Schadenersatz.

Woher stammt das Gift? Analysen in der Bucht von Minamata ergeben, dass die Plastikfabrik Chisso Abfälle mit Quecksilber ins Meer geleitet hat. Das Quecksilber verband sich dort mit Methyl, das Mikroorganismen produzieren, wenn sie organische Abfälle zersetzen. Die hochgiftige Verbindung gelangte dann über Muscheln und Fische in die Nahrungskette von Landtieren und Menschen und verursachte bei den Betroffenen Seh- und Gedächtnisstörungen, in ernsten Fällen irreparable Gehirnschäden und Nervensystemversagen sowie Leber- und Schilddrüsenerkrankungen bis zum Tode. Methylquecksilber geht bei Schwangeren auch auf Föten über und zerstört das Gehirn.

Trotz Protesten reagierte die Regierung nicht. Endlich, im Jahr 1966, unterließ Chisso die Einleitung von Quecksilber im Meer.

1972 beschlossen 91 Nationen ein Verbot, Quecksilber und andere giftige Abfallstoffe im Meer zu entsorgen. Im Februar 2009 kündigte Achim Steiner, Chef des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (Unep), an, innerhalb von zwei Jahren ein verbindliches Vertragswerk auszuarbeiten, um das Schwermetall durch Verbote, Ersatzstoffe oder Minimierungen in der Umwelt zurückzudrängen. (LLa)

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